Presse

 

August / 2018 - tagesschau.de

Kim Hartzner, Geschäftsführer von Mission East, spricht bei tagesschau.de über die Not in Nordkorea, die er bei seiner jüngsten Reise in das isolierte Land kennengelernt hat.

 

"Eine völlig unbeachtete humanitäre Krise"

 

Außenpolitisch stehen die Zeichen auf Entspannung. Doch weitaus weniger beachtet: Nordkorea droht eine massive Hungersnot. "Hunderttausende Menschenleben sind in Gefahr," sagt Entwicklungshelfer Hartzner im tagesschau.de-Interview.

tagesschau.de: Erstmals seit drei Jahren finden wieder Familienzusammenführungen zwischen Nord- und Südkorea statt. Ist Nordkorea dabei, sich nachhaltig zu öffnen?

Kim Hartzner: Das ist schwer einzuschätzen. Es gab immer wieder mal solche Hoffnungen, die sich letztlich nicht bewahrheitet haben. Ich hoffe diesmal wirklich, dass das Land aus der Isolation herauskommt. Es ist ja vor allem die Bevölkerung, die darunter zu leiden hat, insofern ist eine Öffnung bitter nötig.

tagesschau.de: Wie sehen die Menschen im Land das? Werden erste Veränderungen schon wahrgenommen?

Hartzner: Die sind sehr skeptisch und zurückhaltend, wenn man sie zu Politik befragt. In den Gesprächen wird aber deutlich, dass sie den Austausch mit der Außenwelt wollen. Kim Jong Un selbst sagte ja nach den Gesprächen mit Donald Trump, er werde nicht mehr auf Aufrüstung setzen, sondern sich mehr um die Probleme der Zivilbevölkerung kümmern.

Eine erste politische Verbesserung gibt es allerdings bereits seit einem Jahr. Seitdem dürfen die Bauern, die auf Hängen mit einer Neigung über 15 Prozent etwas anbauen, den Ertrag selbst nutzen und verkaufen. Im ganzen Land gibt es inzwischen Benutzergruppen, die das machen und so die Nahrungsmittelknappheit wenigstens ein bisschen abfedern.

tagesschau.de: Sie sind gerade in Nordkorea gewesen: Wie ist die Situation der Menschen im Land aktuell?

Hartzner: Laut jüngsten UN-Erhebungen sind mehr als 40 Prozent der Bevölkerung unterernährt, genauso viele haben keinen Zugang zu fließend Wasser und sanitären Anlagen. Mehr als zehn Millionen Menschen sind von humanitärer Hilfe abhängig, etwa 55.000 Kinder leiden unter akuter Unterernährung, das bedeutet: an der kleinsten Krankheit oder Entzündung können sie sterben.

Die Kenntnisse über Hygiene sind schlecht, was die Verbreitung von Krankheiten begünstigt, multirestistente Tuberkulose ist weit verbreitet und auch die medizinische Versorgung ist mangelhaft. Es fehlen Medikamente und beispielsweise Röntgengeräte in einigen Krankenhäusern.

"Die Kinder haben kaum die Kraft aufzustehen", sagt Hartzner, der dieses Foto von unterernährten Kindern 2012 in einem nordkoreanischen Kinderheim machte.

tagesschau.de: Warum hungern so viele Menschen?

Hartzner: Das hat mehrere Gründe: Erstens sind nur 20 Prozent der Flächen überhaupt landwirtschaftlich nutzbar, weil Nordkorea sehr bergig ist. Ein Großteil der Arbeit wird von Hand verrichtet, weil Landmaschinen fehlen und es einen ständigen Mangel an Brennstoff gibt. Die Maschinen, die es gibt, sind veraltet, genau wie einige der landwirtschaftlichen Methoden.

Das hat - zweitens - auch mit den Sanktionen zu tun, die im Januar 2018 noch einmal verschärft wurden. Selbst Geräte, die der Nahrungsmittelversorgung dienen, dürfen nicht ins Land. UN-Spezialisten haben mir gesagt, dass UN-Geräte, beispielsweise zur Milch- oder Sojaproduktion, im Wert von zweieinhalb Millionen Dollar an der Grenze zwischen China und Nordkorea stehen. Durch den fehlenden Brennstoff kann das, was geerntet und produziert wird, nicht im Land verteilt werden.

Das dritte Problem sind die in den vergangenen zehn Jahren zunehmenden Naturkatastrophen wie Dürren, Überschwemmungen und Stürme. Erschwerend kommt hinzu, dass es neben der EU, den UN und dem Roten Kreuz nur etwa ein Dutzend Hilfsorganisationen gibt, die im Land arbeiten. Die Herausforderung ist riesig und die Mittel, die wir zur Verfügung haben, sind gering.

tagesschau.de: Warum ist es so schwierig für Hilfsorganisationen in Nordkorea?

Hartzner: Ein großes Problem ist, dass die internationalen Geber wegen der politischen Situation sehr zurückhaltend geworden sind und nur sehr wenige Gelder für Nordkorea freigegeben. Die USA und Südkorea haben bei der letzten großen Hungersnot 2012 noch Nahrungsmittelhilfen geliefert, jetzt tun sie das nicht mehr. Die EU stellt dieses Jahr für Entwicklungshilfe in Nordkorea 2,5 Millionen Euro zur Verfügung, das ist viel zu wenig.

tagesschau.de: Aus Angst, das Geld oder die Hilfen könnten vom Regime abgefangen werden?

Hartzner: Ja, das ist das, was immer gesagt wird. Aber meine Erfahrung in sieben Jahren Arbeit vor Ort ist, dass jeder dort investierte Euro gut angekommen ist. Ich sehe viel weniger Korruption als in vielen anderen Ländern. Die nordkoreanischen Behörden sind im Großen und Ganzen zuverlässig und gut ausgebildet.

Und wir haben ungehinderte Möglichkeit zu Kontrollen dort, wo wir unsere Projekte durchführen. Das ist auch die Bedingung, die alle NGOs vor Ort stellen. Wir hatten beispielweise ein Projekt, mit dem wir 400 Familien mit fließend Wasser versorgt haben. Als ich mir das Ergebnis ansehen wollte, wurden zunächst Vorzeigefamilien ausgewählt. Als ich sagte, das reicht mir nicht, ich will noch mehr sehen, gingen wir spontan zu einem anderen Haus, das definitiv nicht vorgewarnt war.

tagesschau.de: Welche Auswirkungen hat die diesjährige Hitzewelle auf die Nahrungsmittelversorgung im Land?

Hartzner: Die Hitzewelle und die daraus resultierende Dürre betraf insbesondere den Mais. Denn wenn die Temperaturen über 32 Grad steigen und die Luftfeuchtigkeit hoch ist, kleben die Pollen zusammen und können nicht mehr befruchten. Viele Pflanzen sind vertrocknet und selbst bei den übriggebliebenen sind viele nicht gut ausgebildet. Die Maisernte wird mindestens um ein Drittel geringer ausfallen als normalerweise, wahrscheinlich aber noch deutlich darunter. Wenn man in Rechnung stellt, dass Mais ein Drittel der Nahrungsmittel der Nordkoreaner ausmacht, ist eine sehr ernste Hungersnot zu befürchten. Auch wenn wir die genauen Zahlen erst bei Ernteabschluss im Herbst kennen werden, - dass es eine Katastrophe geben wird, daran besteht kein Zweifel. Und die Weltgemeinschaft wird davon wieder kaum etwas mitbekommen, denn es gibt kaum Bilder aus dem Land und nur wenige kommen rein. Es ist eine völlig unbeachtete humanitäre Krise.

tagesschau.de: Welche Folgen für die Bevölkerung befürchten Sie?

Hartzner: Ich fürchte, dass sich die Situation von 2012 wiederholen wird. Damals war ich in einem von vielen Kinderheimen und sah dort extrem unterernährte Kinder. Sie hatten über Monate nur maximal 150 Gramm Reis am Tag bekommen und daraus resultierte, dass sie unterentwickelt und viel zu klein waren, an Proteinmangel litten, die Muskeln nicht richtig ausgebildet waren. Die Bäuche der Kinder werden dick, die Haare fallen aus, und sie werden so schwach, dass sie kaum aufstehen können. Damals waren 400.000 Kinder akut unterernährt und so dem Tode nahe. Und eine ungewisse Zahl ist davon bereits gestorben.

Wenn die Weltgemeinschaft nicht will, dass sich das wiederholt, muss sie jetzt handeln. Mein Anliegen ist, dass wir nicht auf die politische Führung schauen, sondern auf die hilfsbedürftigen Menschen im Land. Es geht um Hunderttausende Menschenleben.

 


Mai / 2018 - enorm Magazin

"Die Zukunft fängt bei dir an“ - unter diesem Claim hat das enorm-Magazin ein Interview mit dem Geschäftsführer von Mission East Kim Hartzner über sein Leben, seine Motivation und über seine Arbeit in seiner ersten Ausgabe 2018 veröffentlicht. Das enorm-Magazin stellt inspirierende Menschen und ihre Projekte vor, die die Welt bereits verändert haben. Wir freuen uns mit dieser Vorstellung geehrt zu werden.

„Ich muss in diese Krisengebiete“

 

Herr Hartzner, die Flüchtlingskrise hat vor drei Jahren dazu geführt, dass viele Menschen helfen wollen. Was ist besser – spenden oder selber aktiv werden?

 

Jeder kann natürlich in seiner Nachbarschaft etwas für die Menschen tun, die nach Deutschland geflohen sind. Doch um wirklich einen Unterschied zu machen, muss man mit Not- und Entwicklungshilfe in die Ländern gehen, wo die Probleme entstehen. Dafür braucht es Spenden und hochspezialisierte Experten.

 

Wenn Sie hundert Euro spenden wollen, würden Sie die dann also eher an eine Hilfs-Organisation im Ausland geben, als an ein Projekt hier in Deutschland?

 

Absolut. Natürlich ist es verständlich, dass wir dort helfen wollen, wo wir die Not selbst sehen. Doch es kostet uns 195 Mal so viel, einen Flüchtling im Westen zu versorgen, als wenn wir vor Ort Hilfe leisten. Das hat eine Studie des britischen Migrationsforscher Paul Collier vor Kurzem ergeben. Man kann mit dem selben Geld in Krisenländern einfach deutlich mehr Menschen aus der Not helfen. Die Weltgemeinschaft tut hier noch nicht genug. Von den Kriegsopfern im Irak können beispielsweise nur die Hälfte mit Essen, Kleidung und weiterer Nothilfe versorgt werden.

 

Anstatt nur zu spenden, haben Sie vor 27 Jahren mit Ihrem Vater die Nothilfeorganisation Mission East gegründet. Wie kamen es dazu?

 

Das war eine spontane Reaktion auf die Not in den ehemaligen Ostblock-Staaten nach dem Mauerfall. Schon seit den späten 60ern hatte mein Vater viel Kontakt zu Menschenrechtlern und verfolgten Minderheiten in mehreren osteuropäischen Ländern und setzte sich für sie ein. 1991 brachten wir Diabetesmedikamente im Wert von umgerechnet 270.000 Euro nach Sankt Petersburg und sahen dort, wie viel wir damit bewirken konnten. Auf dem Rückweg sagte ich zu meinem Vater: „Du reist doch jetzt schon ständig umher, um zu helfen. Du musst nur das, was Du tust, Mission East nennen, und ich werde Dich unterstützen.“ Ich habe dann vier Monate Pause von meiner Tätigkeit als Arzt genommen und bei Firmen nach Spenden von Medikamenten und Hilfsausrüstungen gefragt. Wir wurden von der Spendenbereitschaft total überrollt. Damals haben uns verschiedene dänische Bundesländer ihre Notkrankenhäuser überlassen, die für den Fall eines Atom-Krieges in Kellern gelagert worden waren. Eins davon ist bis heute das Zentralkrankhaus für Kriegsopfer in Armenien. Das war der Anfang von Mission East. Heute haben wir 330 Angestellte und 200 weitere Angestellte in Partnerorganisationen. Aber den Idealismus vom Anfang konnten wir uns erhalten.

 

Inzwischen sind Sie in neun Ländern tätig – dazu zählen auch Afghanistan, Syrien, Irak und Nordkorea. Wie wählen Sie die Orte aus, an denen Sie helfen?

 

Wir versuchen dort hinzugehen, wo die Not am größten ist, in Gebiete, in denen Kriege schwelen oder die durch Naturkatastrophen zerstört wurden. Unsere Spezialität ist es, dort irgendwie wieder Ordnung zu schaffen. Wir bauen Wassersysteme auf und versorgen die Menschen mit Hygieneartikeln wie Seife und Wasserreinigungstabletten, wir installieren Latrinen und verteilen Teppiche, Matratzen und Erste-Hilfe-Ausrüstungen. Außerdem haben wir Inklusions-Projekte für behinderte und benachteiligte Menschen, die keinen Zugang zur Gesellschaft haben und wir helfen in ländlichen Regionen neue Lebensgrundlagen aufzubauen – zum Beispiel auch in Afghanistan. Dort helfen wir den Menschen, sich ein neues Leben aufzubauen – etwa indem wir Saatgut verteilen und den Frauen zeigen, wie sie mit Hühnerzucht und Imkerei Geld verdienen können. Eigentlich ist es Frauen dort verboten zu arbeiten. Aber wenn sie durch solche kleinen Tätigkeiten dafür sorgen, dass die Familie mehr Geld hat, haben die Männer nichts dagegen.

 

In diesen Kriegsgebieten haben Sie sicherlich auch viel Leid gesehen. Hat Sie das nie abgeschreckt?

 

Irgendwie habe ich das Gefühl, ich muss in diese Krisengebiete. Schon als ich als Arzt tätig war, wollte ich immer in Notfallstationen arbeiten, wo ein bisschen Chaos geherrscht hat und die großen Unglücke reinkamen. Man muss sehr schnell reagieren und oft zählt jede Sekunde und jede Entscheidung. Gleichzeitig macht dort die Hilfe den größten Unterschied. Das ist bei der Entwicklungshilfe ähnlich. Es gibt mir eine innere Zufriedenheit, etwas bewegen zu können. Aber es gab auch schon Situationen, die mir zu viel waren und mich total zerstört haben. Zum Beispiel im Irak, wo der Islamische Staat gezielt versucht hat, das Leben von nicht-muslimischen Menschen – zum Beispiel von den Jesiden – zu zerstören. Im Namen ihres total verirrten Glaubens haben sie versucht, alle jesidischen Männer und Jungen umzubringen und die Mädchen und Frauen zu Sexsklavinnen zu machen. Ich habe etwas später mit einem 14-jährigen Mädchen gesprochen, die überlebt hat und sich um allein ihre Geschwister kümmern muss, weil ihre Eltern erschossen wurden. Plötzlich merkte ich, dass ich der Erste war, der mit ihr darüber redet – das war einfach grausam. Zu sehen, wie viel Böses einige Menschen zu tun, in der Lage sind, hat mich zutiefst schockiert.

 

Die meisten Leute sehen solche Bilder nur im Fernsehen, und vielen wäre es auch lieber, damit gar nicht konfrontiert zu werden. Welche Verantwortung sehen Sie bei den Menschen in den wohlhabenderen Ländern?

 

Es ist ein großes Risiko, wenn das Leid der anderen bei uns quasi zur Unterhaltung wird. Wer versteht nach einem kurzen Beitrag im heute-Journal über den Irak, dass wir in Europa eine riesige Verantwortung haben in der Welt? Wer wird durch so einen kleine Ausschnitt bewogen, etwas zu tun? Hinzu kommt, dass die Aufmerksamkeit immer sehr kurzfristig ist. Vor einem Jahr hat die ganze Welt über Mossul geredet. Weil damals der IS dort immer noch stark war. Heute gibt es um die Stadt herum circa 800.000 Menschen, die in unfertigen Gebäuden frieren und überleben müssen. Darunter sind rund 500.000 Kinder. Doch von denen hört man überhaupt nichts. So viele Kinder können leiden, ohne dass es jemals ins Fernsehen kommt! Nur weil wir uns nur um dramatische Ereignisse und Feindbilder kümmern. Tatsache ist: Wir tragen alle Verantwortung. Wenn die Menschen in ihrer Heimat keine Perspektive mehr sehen, machen sie sich auf die gefährliche Suche nach einem vermeintlich sicheren und besseren Ort. Doch der Weg nach Europa ist häufig sehr gefährlich. Außerdem sind Hass-Kampagnen gegen Flüchtlinge und feindselige Auseinandersetzungen allgegenwärtig. Wenn wir uns in den wohlhabenderen Ländern mehr engagieren, könnte den Menschen vor Ort noch effektiver geholfen werden, damit sie ihre Heimat erst gar nicht verlassen müssen. Wir tragen alle Verantwortung. Denn wenn wir nichts tun, kommen diese Menschen zu uns und wir erleben noch mehr Hass-Kampagnen und Auseinandersetzungen. Und nicht nur das – die Flüchtlinge müssen vorher ja auch grausame Dinge erleben, um überhaupt hierher zu gelangen.

 

Wie viel Geld sollte denn jeder für die Entwicklungshilfe geben?

 

Bei uns in Dänemark wird offenbar für das Silvesterfeuerwerk genauso viel Geld ausgegeben wie alle gemeinnützigen Organisationen des Landes in einem Jahr bekommen. Ich denke, in Deutschland wird das ähnlich sein. Wenn wir also die 40 bis 50 Euro, die wir für Feuerwerk ausgeben, zusätzlich spenden würden, könnten wir die Hilfe schon verdoppeln.

 

Einige Menschen spenden auch nicht, weil sie das Gefühl haben, dass das Geld in der Verwaltung verschwindet und nicht bei den Kriegsopfern ankommt. Was sagen Sie denen?

 

Natürlich müssen die Verwaltungskosten gering gehalten werden, aber ohne Verwaltung geht es auch nicht. Wir haben bei Mission East Verwaltungskosten in Höhe von 7,9 Prozent. Das ist sehr gering. Aber ohne die 7,9 Prozent würde gar nichts an die Menschen gelangen. Diese Ausgaben sind die Voraussetzung, dass die 92,1 Prozent bei den Menschen ankommen. Einige Leute haben die Illusion, dass sie direkt an einen Flüchtling hundert Euro überweisen könnten. Aber das funktioniert nicht. Es muss gezielt gearbeitet werden, um sicherzustellen, dass die Spenden auch genau den Ärmsten zu Gute kommen."

 


April / 2018 - NDR DAS! Magazin

Kim Hartzner, unser Geschäftsführer und Gründer, war  bei DAS! im NDR Fernsehen zu sehen. In dem Portrait von Kim zeichnet der NDR nach, wie und warum Kim und wir die Welt jeden Tag ein kleines bisschen zum Besseren verändern.


 

Dezember / 2017 - Deutschlandradio Kultur

Kim Hartzner wurde von dem Journalisten Klaus Pokatzky für den Deutschlandfunk Kultur nach seinem bewegten Leben, seinen Vorfahren und seiner aktuellen Arbeit befragt.

"Ich habe es kaum verkraften können"

Kim Hartzner im Gespräch mit Klaus Pokatzky (Zusamenfassung)

"Als sie auf Reisen dem Elend anderer Menschen begegneten, beschlossen der Arzt Kim Hartzner und sein Vater die Hilfsorganisation "Mission East" zu gründen. Die Not und Verzweifelung, die er gesehen hat, lassen ihn bis heute nicht los. Kim Hartzner liebt es, Ordnung im Chaos zu schaffen. Schon als Student der Medizin hat der dänische Arzt am liebsten in der Notfallstation gearbeitet, heute geht er dieser Fähigkeit als Leiter der Hilfsorganisation "Mission East" nach. Die Medizin hat der heute 58-Jährige für diese Arbeit an den Nagel gehängt.

 

"Ich war auf dem Weg Herzchirurg zu werden und hatte, glaube ich, eine sehr gute Karriere vor mir. Ich habe in New York an einem großen Krankenhaus gearbeitet, ich hatte Erfahrung aus Schweden und habe viel im Ausland gearbeitet. Dann kam der Mauerfall und die Möglichkeit, den Leuten im Osten zu helfen. Für mich war es, ehrlich gesagt, jahrelang fast ein Hobby, aber dann wurde das Hobby immer ernster und ernster. Nach zwei Jahren habe beschlossen, dass ich mich für einen Weg entscheiden muss: Ich kann nicht Herzchirurg und Mission-East-Leiter werden. Da habe ich mich für Mission East entschieden und es, würde ich sagen, nicht bereut."

 

Nothilfe in Krisen- und Kriegsgebieten

 

Die Organisation "Mission East", die Kim Hartzner leitet, leistet mit rund 300 Mitarbeitern weltweit Nothilfe in Krisen- und Kriegsgebieten des Nahen und Mittleren Ostens, aber auch in entlegenen Gebieten Nepals oder in Nordkorea. Neben medizinischer Versorgung, Kleidung, Nahrung und Hygieneartikeln sei es für die Opfer von Terror, Gewalt und Vertreibung wie den Jesiden im Nordirak oder den Menschen in Syrien vor allem wichtig, psychosoziale Hilfe zu erhalten.

 

"Wir haben Kinderzentren und Zentren für Jugendliche, wo die Kinder und Jugendlichen Hilfe bekommen, um irgendwie mit ihrem Leben weiterzukommen. Wir haben örtliche Studenten, die dort arbeiten. Sie werden von hochbegabten Psychologen und Spezialisten aus dem Ausland trainiert, sich mit diesen Kindern zu beschäftigen, und da tauchen natürlich immer diese Ereignisse auf, die sie erlebt haben."

 

"Stolz bin ich nicht, aber froh"

 

Die 1991 in Dänemark gegründete Nothilfe- und Entwicklungsorganisation unterhält inzwischen auch in Berlin ein Büro. Der deutschen Sprache und Kultur fühlt sich Kim Hartzner besonders verbunden, denn seine Großmutter ist aus Deutschland nach Dänemark eingewandert. Der Vater von vier Söhnen ist schon als Kind viel gereist und spricht 14 Sprachen. Im Angesicht der Not und des Elends im Irak oder in Nordkorea ist der christliche Glaube für Kim Hartzner eine Quelle der Inspiration. Ob er stolz auf das sei, was er leiste?

 

"Stolz bin ich nicht, aber froh. Ich glaube, einen Unterschied zu machen, ist wohl immer etwas sehr Befriedigendes. Ich hätte wahrscheinlich ein guter Herzchirurg werden können. Würde es mir die Freude geben so wie heute? Vielleicht nicht. Vielleicht ja, aber vielleicht nicht. Und ich glaube, wenn ich die Augen dieser Kinder sehe vor Ort, die Jesidenmädchen, die behinderten Kinder in Armenien, die Geflüchteten im nördlichen Irak – da glaube ich, da habe ich meinen Lohn."


 

Juli / 2017 - Deutschlandfunk

Kim Hartzner wurde von dem Journalisten Martin Zagatta für den Deutschlandfunk zu der Lage Menschen im befreiten Mossul befragt.

 


 

17. März / 2017 - ZDF heute journal

Kim Hartzner, Geschäftsführer von Mission East, redet im ZDF Heute Journal über die Not von Menschen, die vor den Kämpfen in Mossul fliehen müssen und der Hilfe, die Mission East leistet.

 


 

Kontakt

 

Jana Göpel

Büroleiterin Berlin / Office Manager Berlin

Mission East Deutschland e.V.

Marienstraße 29 / 10117 Berlin

Skype: Jana Goepel

Tel: 0049 (30) 20215780

jana.goepel@missioneast.de

 

 

 

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