Deutsche Hilfs-organisation ist während der Kämpfe in Afghanistan in die Schusslinie geraten

Die Hilfsorganisation Mission East arbeitet in den Gebieten um die afghanischen Städte Kunduz und Baharak, wo gewaltsame Kämpfe zwischen den Taliban und den Regierungstruppen stattfinden.

Als Hunderte von Taliban-Kriegern letzte Woche die Städte Kunduz und Baharak im nördlichen Afghanistan angriffen, kam der Konflikt zwischen den Islamisten und den Regierungstruppen des Landes plötzlich ganz nah an die Hilfsorganisation Mission East heran.

Die Organisation arbeitet im Gebiet, muss sich aber im Hintergrund halten, um nicht unter Beschuss von den sich streitenden Parteien zu geraten. Zurzeit gibt es keine deutschen Mitarbeiter im Projektgebiet.

Mission East ist eine der größten deutschen Nicht-Regierungsorganisationen in Afghanistan und arbeitet in den Provinzen Baghlan, Takhar und Badakhshan. Die NGO entwickelt Wassersysteme, baut befahrbare Wege und unterstützt die Etablierung einer nachhaltigen Landwirtschaft in dem Gebiet. Die Organisation trainiert auch die Bevölkerung im Anbau von widerstandsfähigen Feldfrüchten sowie in der Katastrophenvorsorge. Der Einsatz von Mission East wirkt der Armut entgegen und hilft Menschen, die Opfer von Konflikten sind.

Am 28. September ist der Konflikt erneut aufgeflammt, als Hunderte von Talibankriegern die strategisch wichtige Großstadt Kunduz im nördlichen Afghanistan angriffen, das Krankenhaus und die Polizeistation besetzten und Hunderte von islamistischen Gefangenen in den Gefängnissen der Stadt befreiten.

Am nächsten Morgen hatte die USA Luftangriffe durchgeführt, um die Gegenoffensive der afghanischen Regierungstruppen zu unterstützen und die Provinzhauptstadt nochmals zu erobern. Kurz danach meldeten die afghanischen Truppen, dass sie das Polizeihauptquartier und das Gefängnis zurückerobert hatten. Zwei Tage danach sind die Taliban aber nochmals vorgedrungen, um ihre weiße Fahne auf dem Platz der Stadt zu stecken.

Letzten Freitag, den 2. Oktober 2015, haben die Amerikaner dann einen Luftangriff über Kunduz mit Bombardierungen durchgeführt. Eine Rakete traf das Krankenhaus, das von der Organisation "Ärzte ohne Grenzen" betreut war. Genau 22 Menschen sind dadurch ums Leben gekommen. Die Vereinten Nationen verlangten eine unabhängige Untersuchung, um die Ereignisse zu überprüfen.

Wir möchten den Angehörigen der Verstorbenen unser tiefes Beileid ausdrücken. Als Hilfsorganisation in Konfliktzonen setzen wir jeden Tag unser Leben der Gefahr aus. Allerdings ist der Angriff auf das Krankenhaus nicht zu verstehen und ist sehr tragisch, erklärt Dr. Kim Hartzner, Stellvertretender Vorsitzender von Mission East Deutschland.

Er hofft, dass die Kämpfe zwischen den Taliban und den afghanischen Regierungstruppen bald enden, damit Mission East als einer der größten Akteure im Gebiet seine Hilfsarbeit zugunsten der afghanischen Bevölkerung fortsetzen kann.