Inklusive Bildung in Berg-Karabach

 

Ist es möglich, ein Inklusionsprojekt in einer kaum bekannten und politisch umstrittenen Kaukasusregion umzusetzen? Wir sagen ja! Weil auch Kinder mit Behinderungen ein Recht auf Bildung haben. 

Berg-Karabach ist eine umstrittene Region im Kaukasus, die von der Weltöffentlichkeit weitgehend unbeachtet bleibt. Die beiden ehemaligen Sowjetrepubliken Armenien und Aserbaidschan streiten seit knapp 30 Jahren um Berg-Karabach, das sich nach dem Zerfall der Sowjetunion für unabhängig erklärt hat. Es folgte der Karabach-Krieg von 1991 bis 1994 zwischen Aserbaidschan und den sog. Karabach Armeniern. Bis heute kommt es immer wieder zu Gefechten. Leidtragende des jahrzehntelangen Konflikts sind die rund 145.000 Einwohner der Bergregion im südöstlichen Kaukasus. Aufgrund der Abgeschiedenheit und der unsicheren politischen Situation sind die Lebensbedingungen für die Bevölkerung schlecht und es gibt nur wenig bis gar keine internationalen Akteure, die Nothilfe und Entwicklungsarbeit leisten.

Das Erbe der Sowjetunion

Diskriminierung, Vernachlässigung und Armut sind in Berg-Karabach für hunderte Kinder und Jugendliche mit Behinderungen und ihre Familien alltäglich. Wie zu Sowjetzeiten gelten Menschen mit Behinderungen in Berg-Karabach als minderwertig. Vorurteile durch die Gesellschaft und die Unfähigkeit der Schulen, ein angemessenes Lernumfeld zu schaffen führen dazu, dass diese Kinder entweder gar keine Schule besuchen oder aber eine, die ihre besonderen Bedürfnisse nicht berücksichtigt. So "existieren" die Kinder einfach, ohne Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Sie fühlen sich wertlos und als Belastung für ihre Familien. Ein geringes Selbstwertgefühl vermindert häufig den Wunsch zu lernen und wichtige Fähigkeiten zu erwerben und führt zu Akzeptanz von Elend und Armut.

Schaffung eines integrativen Lernumfeldes in Berg-Karabach

Ziel des Projekts ist es sicherzustellen, dass alle Kinder mit Behinderungen und besonderen pädagogischen Bedürfnissen in Berg-Karabach eine an ihre Bedürfnisse angepasste Bildung erhalten. In einer ersten Phase werden wir uns in der Hauptstadt Stepanakert auf alle Kinder mit Behinderungen und sonderpädagogischen Förderungsbedürfnissen konzentrieren. Die drei Hauptziele lauten wie folgt:

 

  1. Alle 12 Schulen von Stepanakert bieten für Kinder mit Behinderungen eine angepasste Lern- und Betreuungsumgebung.
  2. Die Eltern dieser Kinder werden zu unterstützenden Betreuern weitergebildet und als starke Verfechter der Rechte ihrer Kinder mobilisiert.
  3. Die State University nimmt die Prinzipien der integrativen Schulbildung in ihr Studienprogramm zur Lehrerausbildung mit auf.

 

Insgesamt erhalten 98 Kinder mit Behinderungen und besonderen pädagogischen Bedürfnissen eine an ihre Bedürfnisse angepasste Ausbildung, die durch die Verbesserung der Kompetenzen von etwa 670 Lehrern und Lehrkräften ermöglicht wird. Ein neu eingerichtetes lokales Zentrum mit 25 ausgebildeten Fachkräften wird Kindern mit Behinderungen wichtige Hilfsangebote anbieten, um ihre Lerneinschränkungen abzumildern oder zu überwinden. Mehr als 100 Eltern von Kindern mit Behinderungen werden ein besseres Verständnis sowie bessere Fähigkeiten entwickelt haben, um den Bedürfnissen ihrer Kinder besser gerecht werden zu können. Alle zwölf Schulen in Stepanakert werden über pädagogisch-psychologische Betreuungsräume verfügen, die den Bedürfnissen der Kinder angepasst sind. Das Bewusstsein der Öffentlichkeit für die besonderen Bedürfnisse von Kindern mit Behinderungen nach qualitativ hochwertigen und angepassten Bildungsleistungen wird gestärkt. Die abgestimmten und angepassten Universitätslehrpläne zur Ausbildung von Lehrkräften und Sonderpädagogen werden die Nachhaltigkeit des Projekts gewährleisten.

Nach der Umsetzung der ersten Phase dieser Initiative wird das Modell der integrativen Bildung auf ganz Berg-Karabach ausgeweitet. Die oben beschriebenen Ergebnisse werden daher einen größeren Umfang erreichen, der insgesamt 445 Kinder mit Behinderungen und besonderen Bildungsbedürfnissen, über 4.000 Lehrer und 100 pädagogisch-psychologische Fachkräfte in 217 Schulen und etwa 500 Eltern von Kindern mit Behinderungen einschließt.

 

Projektzeitraum und Budget

Phase 1: Juni 2018 bis Dezember 2019; Kosten: 150.000 EUR

Phase 2 (voraussichtlich): Januar 2020 bis Juni 2021; Kosten: 300.000 EUR

 

Wenn Sie uns bei der Realisierung des Projekts unterstützen wollen, können Sie dies mit einer Spende tun: https://missioneast.de/content/spenden