Jahrestag 20.12. - Erste Hilfe für Mossul

Es war genau am 20. Dezember 2016 im Bezirk Gogjali, als wir die ersten 100 Notfallpakete mit Planen, Decken, Seife und Bettwäsche an Bewohner im Großraum Mossul aushändigen konnten. Die Schlacht zur Befreiung der Stadt von den Besatzern des IS war noch in vollem Gange.

 

Zwei Tage später schickten wir auch Hilfstransporte zu 350 Familien in den Vorort Bart Allah. Aber die Lastwagen mussten umdrehen, weil sich nur 1.500 Meter von der Verteilungsstelle entfernt ein Selbstmordattentäter des islamischen Staates bei einer Beerdigungsfeier in die Luft sprengte. Er riss 25 Menschen mit in den Tod.

 

Es waren dramatische Tage damals. Und die Lage blieb angespannt. Eine lokale Hilfsorganisation verlor drei Wochen später vier ihrer Angestellten, als Terroristen Drohnen mit Mörsergranaten in die Gegend schickten. Glücklicherweise kamen Mitarbeiter von Mission East nicht zu Schaden.

 

Angst vor Terroranschlägen

 

Gerade mal acht Wochen war es her, dass irakische Sicherheitskräfte und kurdische Peschmerga-Kämpfer die Offensive auf Mossul begonnen hatten. Es sollte ein zäher, blutiger und langer Kampf werden - Haus um Haus, Viertel um Viertel. "Noch im Januar 2017 konnten wir nur unter gefahrvollen Umständen im Ostteil der Stadt an 1.935 Familien Hilfsmittel verteilen, damit sie endlich ein Obdach finden konnten", erzählt der Mission East-Mitarbeiter Knud Andersen. Die Hilfsgüter wurden außerhalb der Stadt in kleinere Lastwagen verladen und rasch in die Quartiere gefahren, um dort verteilt zu werden. "Wir mussten schnell sein, bevor die Krieger des islamischen Staates davon Wind mitbekommen konnten", so Andersen.

 

Mission East war die erste Hilfsorganisation, die in Mossul das zum Leben Nötigste austeilen konnte. Zuerst in der Ostmoschee und später in der Westmoschee auf der anderen Seite des Flusses Tigris. Die dort ausharrenden Familien hatten alles verloren und lebten jetzt in Ruinen.

 

Mossul, wir haben dich nicht vergessen

 

Jetzt, ein Jahr danach, sind wir immer noch vor Ort aktiv. Nun geht es um Wiederaufbau und Selbstversorgung. Geschossen wird nicht mehr. Allerdings fehlt auch die breite Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit. Mission East konnte mehr als 107.000 Menschen dabei unterstützen, in der kriegszerstörten Stadt zu überleben. 179,815 Euro hatten wir dazu bei privaten Unterstützern zuhause gesammelt. Hier Bilder und Infos auf Instagram und Facebook.

 

"Während die Aufmerksamkeit der Welt nun auf andere Krisen gerichtet ist, versuchen wir den  Bewohnern zu helfen, den Wiederaufbau ihrer Häuser und Geschäfte zu finanzieren. Gleichzeitig zeigen wir ihnen, wie sie dauerhaft ihren Lebensunterhalt verdienen und sich aus der Armut befreien können", so Knud Andersen. "Toll ist auch, dass das Auswärtige Amt uns erneut unter die Arme greift" berichtet Jana Goepel, die Büroleiterin von Mission East Deutschland in Berlin. "Wir werden die Förderung auch benutzen, um Rückkehrern im Nordirak eine gute Zukunft zu ermöglichen".

 

Mission East unterhält auch Hilfs- und Entwicklungsprojekte in Afghanistan, Armenien, Myanmar, Nepal, Nordkorea und Tadschikistan. Die Hilfsorganisation wurde vor 26 Jahren in Dänemark gegründet und hat ihren Sitz in Kopenhagen, Berlin und Brüssel.