Armans neue Welt ist voller Farben und Zahlen

„Es war ein großes Gefühl der Machtlosigkeit, das mich überkam als ich zum ersten Mal der Geschichte des zehnjährigen Arman und seiner Familie lauschte. Zu sehen, wie solch ein Leid das Leben einer ganzen Familie zerstören kann…ist hart mitzuerleben“, erzählt Kim Hartzner, Generaldirektor von Mission East.

Arman kam mit einer um seinen Hals gewickelten Nabelschnur auf die Welt und erstickte fast. Kurz darauf kamen eine Nabel- und eine Lungenentzündung hinzu. Dennoch wurde er während der ersten drei Monate seines Lebens in keinem Krankenhaus behandelt – die Familie konnte es sich nicht leisten.

Armans Vater verließ die Familie vor sieben Jahren und mittlerweile lebt die siebenköpfige Familie in einer Ein-Zimmer-Wohnung. Alles was sie haben, ist Armans Behindertenrente und die Rente der Großmutter, was ein Gesamteinkommen von 150 Euro pro Monat bedeutet. Nicht genug, um über die Runden zu kommen, insbesondere in Anbetracht der rapide steigenden Lebensmittelpreise in Armenien.

Armans Mutter, Alvard, würde sehr gerne eine Arbeit finden. Doch sie hat keine Ausbildung und das macht es sehr schwierig. Alvard hat einige der Haushaltsgeräte verkauft, um die wichtigste Hilfe für ihren Sohn zu bekommen. Doch wegen der mangelhaften Behandlung, ist Arman sehr aggressiv und wird schnell in Konflikte verwickelt. Sowohl Zuhause als auch in der Schule ist es schwierig, mit ihm umzugehen. Aufgrund seines Verhaltens und seiner Behinderung ist Arman immer als jemand wahrgenommen worden, der unfähig ist, irgendetwas im Leben zu leisten.

„Wahrscheinlich hat sich nie jemand die Zeit genommen, etwas für ihn zu tun. Niemand hat ihn ernst genommen, ihm den Unterschied zwischen Rot, Grün und Gelb beigebracht und wie man bis Drei zählt…“, sagt Kim Hartzner.

„Arman ist ein Opfer. Das Opfer einer archaischen Art zu denken, die ihn als Mensch sofort verdammt hat. Nur weil er nicht wie alle anderen ist.“

Seit inzwischen fast einem Jahr besucht Arman das Kinder Entwicklungs- und Rehabilitationszentrum, das Mission East gegründet hat. Im Zentrum bekommt er Unterstützung von Psychologen und Verhaltensexperten, um seine Aggressionen in den Griff zu kriegen. Und sehr bald wird der Zehnjährige voraussichtlich in der Lage sein, zu zählen und Farben voneinander zu unterscheiden. Arman ist dabei, ein neues Abenteuer in seinem Leben zu beginnen.

Aus dem Mission East Magazin, Herbst 2008.