Anders aber gleichberechtigt
By Johanna Fipp 12 Apr 2017 |

Anders aber gleichberechtigt

Ein armenisches Zwillingspaar hat viele der Einschränkungen überwunden, die ihnen durch ihre Behinderung auferlegt wurden. Jetzt sind sie Universitätsstudentinnen.

Als Ruzanna und Syuzanna Kinder waren, war es für sie schwierig zu verstehen, warum ihr Leben anders war als das anderer Kinder. Während sich ihre Freund*innen auf dem Spielplatz vergnügten, mussten sich die Zwillinge wegen ihrer Behinderung - Zerebralparese - endlosen Behandlungs- und Rehabilitationsmaßnahmen unterziehen.

Die Mädchen wurden in einem Dorf in der verarmten Region Tavush in Armenien geboren. Als Kinder in einem Land, in dem Menschen mit Behinderungen mit schwierigen Lebensbedingungen konfrontiert sind, riskierten sie, in Isolation aufzuwachsen - ohne die Chance, sich zu verbessern, geschweige denn eine höhere Bildung zu erlangen.

Hilfreiche Klassenkamerad*innen
Aber ihre Eltern - und die armenische Partnerorganisation von Mission East, Bridge of Hope - hatten andere Pläne. Aufgrund des unermüdlichen Einsatzes ihrer Eltern überwanden die Mädchen verschiedene physische und psychische Barrieren und gingen im Alter von sieben Jahren zur Schule. In den ersten Jahren hingen sie sehr von ihren Eltern ab, aber später übernahmen ihre Klassenkamerad*innen die Verantwortung und halfen ihnen.

Die Mädchen entwickelten sich immer weiter, und durch ihre Zusammenarbeit mit dem Zentrum Bridge of Hope für Kinder mit Behinderungen in der Stadt Noyemberyan - begannen sie zu merken, dass alles für sie möglich ist.

"Bridge of Hope hat in unserem Leben eine enorme Rolle gespielt. Es war unser großes Glück, das Zentrum in Noyemberyan zu besuchen. Dort lernten wir nicht nur die Bedeutung von Bildung, sondern auch deren Notwendigkeit. Unser Freundeskreis erweiterte sich, wir versuchten, uns aus einem neuen Blickwinkel zu identifizieren und uns neue Fähigkeiten und Fertigkeiten anzueignen. Das gab uns die Möglichkeit, die Umrisse unserer Zukunft zu sehen, in der wir uns anders, aber gleichberechtigt sahen", sagten die Zwillinge.

"Wir können alles tun"
Sie zitieren gerne die Gründerin der Brücke der Hoffnung, Susanna Tadevosyan, die einmal sagte, dass "alle Kinder zu allem in der Lage sind, wenn ihnen Chancen geboten werden". Vielleicht, so sagen sie, haben andere Kinder die Bedeutung dieser Worte nicht erkannt, aber sie wurden zu einem Slogan für Ruzanna und Syuzanna. "Wir können alles tun", war ihre Schlussfolgerung.

Durch das Mission-East-Projekt "The Right to Earn a Living" wurden sie Mitglieder einer Jugendanwaltschaftsgruppe, die sich für die Rechte von Menschen mit Behinderungen einsetzt. Sie waren an mehreren Kampagnen, Runden Tischen, Debatten und Fernsehprogrammen beteiligt. Sie sind nun viel selbstbewusster und können besser Lösungen für Probleme finden, die sich ihnen und anderen Menschen mit Behinderungen in den Weg stellen. 

Die Zwillinge sind jetzt 23 Jahre alt. Sie studieren an der Fakultät für Pädagogik und Psychologie - und sie arbeiten für Bridge of Hope. Beide haben das Gefühl, dass sie seit ihrer Kindheit, als sie sich einer Behandlung und Rehabilitation unterziehen mussten, einen viel längeren Weg zurückgelegt haben, als die Kinder, die draußen auf dem Spielplatz tobten.

"Wenn wir auf unsere nicht so einfachen Lebenswege zurückblicken, sind wir sicher, dass wir den Kampf mit den Herausforderungen des Lebens gewonnen haben. Unser Sieg ist das Ergebnis der Unterstützung der Menschen um uns herum, und wir rufen alle jungen Menschen auf, stark zu sein und sicher zu sein, dass sie KÖNNEN.

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Auszeichnung für armenischen Partner
Die Partnerorganisation von Mission East, Bridge of Hope, hat zum zweiten Mal in Folge eine Auszeichnung für eine besonders "innovative Praxis" durch das Zero-Projekt erhalten, dem mehr als 3000 Experten aus 150 Ländern angehören. Das Zero-Projekt konzentriert sich auf die Rechte von Menschen mit Behinderungen. Jedes Jahr werden die innovativsten Lösungen für die Herausforderungen, denen sich Menschen mit Behinderungen gegenübersehen, ausgezeichnet. Das diesjährige Thema war "Beschäftigung, Arbeit, berufliche Bildung und Ausbildung". Bridge of Hope wurde für das Projekt "The Right to Earn a Living" ausgezeichnet, das von der Mission East unterstützt wird. Das Projekt hat armenische Jugendliche mit Behinderungen in Kampagnen für das Recht auf Berufsausbildung und Beschäftigung eingebunden. Während einer dreijährigen Laufzeit hat das Projekt viele Arbeitsplätze für junge Menschen mit Behinderungen geschaffen.

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