Jamal, Irak
By Johanna Fipp 30 Okt 2017 |

Hoffnung für ein vergessenes Dorf

Irak, 2017. Drei Jahre lang kontrollierte der so genannte Islamische Staat (IS) das Gebiet um Mossul. Sie stahlen den Menschen in den Dörfern alles, was sie besaßen: Vieh, Vorräte, Medikamente. Wer sich widersetzte, wurde getötet.

Ende August 2017 besuchte Mission East zum ersten Mal Jamal und seine Familie in ihrem Dorf* südlich von Mossul.

Nach der dreijähriger Besetzung gleicht das Dorf einer Geisterstadt. In den Straßen ist es still, es gibt keine Lebensmittel. Die Menschen leben von einem Tag in den anderen, immer mit der Frage im Kopf, wie sie etwas zu essen auftreiben können.

An diesem glühend heißen Sommertag haben sich alle Bewohner*innen um das Haus der Dorfältesten versammelt, um Kisten mit Lebensmitteln von Mission East zu erhalten. Die Sonne scheint von einem wolkenlosen Himmel, es ist richtig heiß. Dennoch warteten sie geduldig darauf, dass sie an die Reihe kommen. Seit der Befreiung vom IS Anfang des Jahres, ist Mission East die erste Hilfsorganisation, die sich im Dorf engagiert. 

Wie das Auffinden eines Schatzes

"Diese Woche hatten wir fast nichts zu essen, meine Kinder sind müde und erschöpft. Die Lebensmittel von Mission East sind ein großes Geschenk, für uns ist es wie das Auffinden eines Schatzes", sagt Jamal.

Er ist umgeben von seiner Frau und fünf Kindern - drei Töchter und zwei Söhne - im Alter von ein bis zehn Jahren. Auf die Frage, wann die Familie zuletzt eine vollständige Mahlzeit hatten, antwortet Jamal mit einem leisen Lächeln, dass dies wahrscheinlich vor der Ankunft des islamischen Staates vor mehr als drei Jahren war.

"Früher hatten wir eine Kuh, die meine Kinder mit Milch versorgte. Außerdem konnten wir Käse und Yoghurt herstellen. Aber der IS hat sie gestohlen", sagt er.

Ein guter Anfang

Viele der Dorfbewohner erzählen ähnliche Geschichten. 

"Früher war das Leben in unserem Dorf gut, jetzt haben wir nichts, wovon wir leben können. Nichts mehr zu essen. Das Wasser ist verschmutzt. Die Kinder leiden und können nicht zur Schule gehen. Es gibt keine Ärzte mehr."

Die Verteilung von Nahrungsmitteln war die erste internationalen Unterstützung für dieses Dorf. Es ist noch immer ein langer Weg, bis es wieder auf die Beine kommt, doch mit Unterstützung von Mission East, haben die Menschen wieder Grund zu Hoffen und können mit dem Aufbau beginnen.

*Aus Sicherheitsgründen haben wir den Namen des Dorfes nicht erwähnt, und die Namen der Befragten wurden geändert.

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