Alir, Irak
By Johanna Fipp 24 Nov 2017 |

Sicherheit im Kinderzentrum

Mehr als 600 Kinder in Krikuk besuchen mittlerweile das Kinderzentrum von Mission East. Die meisten von ihnen sind durch den Krieg vertrieben worden. In dem Zentrum können sie spielen, lernen und die traumatischen Erfahrungen, die sie gemacht haben, verarbeiten.

Zusammen mit vielen anderen Kindern besucht Ali* das Kinderzentrum von Mission East im verarmten Stadtteil Wahed Hozairan in der irakischen Stadt Kirkuk. Wie die anderen Kinder, trägt er schreckliche Erinnerungen an Krieg, Gewalt und Flucht mit sich.

Der ruhige achtjährige Junge verbrachte einige glückliche Kindheitsjahre in einem Dorf außerhalb der Stadt Mossul. Doch mit der Besetzung durch den so genannten Islamischen Staat (IS) waren diese Jahre vorbei. Eines Tages wurde Alis Schule während des Unterrichts von einer Granate getroffen.Nach dieser gewalttätigen Erfahrung zog sich Ali in sich selbst zurück. Nach Angaben seiner Großmutter Inaya, die ihn in das Kinderzentrum begleitet hat, zeigte er Anzeichen von posttraumatischem Stress.

"Er wollte ständig bei seiner Mutter oder bei mir sein. Als sie oder ich ihn zur Schule begleitete, weigerte er sich, allein in den Klassenraum zu gehen", erinnert sie sich.

Ali blüht auf
Heute besucht Ali zweimal pro Woche das Kinderzentrum. Er ist mit dem Jungen, der völlig verängstigt am ersten Tag kaum über die Türschwelle treten konnte, kaum zu vergleichen. Jetzt erzählt seinen Verwandten mutig, dass er allein zum Zentrum gehen kann.

"Ich komme gerne hierher. Früher hatte ich Angst, aber ich liebe es, hier zu sein, ich fühle mich sicher", sagt Ali.

Auf die Frage, was ihm am Kinderzentrum am besten gefällt, antwortet der Achtjährige ohne zu zögern. Die Schulfächer stehen an erster Stelle, und dazu gehören Arabisch, Englisch und Mathematik. Das Lernen ist ein wichtiger Teil des Programms des Zentrums, in dem Kinder im Alter von 6 bis 14 Jahren die Möglichkeit haben, zu spielen, zu lernen und die traumatischen Erfahrungen, die sie gemacht haben, durch psychosoziale Hilfe zu verarbeiten. 

Die Mehrheit der Kinder wurde aus ihrem Zuhause vertrieben. In Wahed Hozairan gibt es viele Familien, die vor dem Konflikt fliehen mussten. Für die 600 Kinder, die das Zentrum regelmäßig besuchen, sind die zwei wöchentlichen Besuche ein Aufatmen von einer oft harten und unsicheren Existenz.

Erinnerungen an Gewalt und Hass
Sara, 22, ist die Leiterin des Zentrums. Sie erlebt, wie die Gewalt, die die Kinder erlebt haben ihr Leben bis heute bestimmt.

"Der Krieg dringt oft ins Klassenzimmer ein. Ich spüre ihn, wenn ich mit den Kindern spreche. Es ist Teil der psychosozialen Unterstützung, dass wir über ihre Erfahrungen sprechen. Manchmal weinen sie, weil sie ihre Erlebnisse noch einmal durchleben. Ein Junge sah, wie sein Vater erschossen wurde, ein Mädchen sah, wie ein Baby ermordet wurde", sagt sie.

Sara hört den Kindern zu - und nicht nur, wenn sie sie unterrichtet.

"Sogar wenn ich an meinem Schreibtisch sitze, kommen sie zu mir herüber und reden. Sie fühlen sich sicher, und ich lasse sie reden und zeige ihnen meine Unterstützung. Ich versuche, sie an die guten Dinge im Leben zu erinnern. Die Kinder lieben es, hierher zu kommen Als die Mutter eines der Mädchen mit ihrer Tochter einkaufen wollte, um ihr ein Geschenk zu machen, sagte das Kind: 'Geh du nur und kaufe Dinge für Geld, ich gehe lieber ins Kinderzentrum."

*Die Namen der Befragten wurden aus Sicherheitsgründen geändert.

Spenden

100
eur