Das Wunder von Teleskuf

Es gibt Geschichten, die einem Wunder gleichen, die kaum vorstellbar sind und die wir nicht so schnell vergessen. Eine dieser Geschichten erlebten unser Gründer Kim Hartzner und Geschäftsführerin Jana Göpel, als sie im November 2018 die Kleinstadt Teleskuf im Irak besuchten.

Teleskuf ist eine christlich geprägt Gemeinde im Norden des Iraks, aus der alle der 11. 000 Bewohner*innen fliehen mussten, nachdem der sogenannte Islamische Staat (IS) die Stadt besetzt und hunderte Häuser zerstört hat. Viele lebten während dieser Zeit in Lagern oder in Ruinen. Nachdem Mossul vom IS befreit wurde, begannen die Menschen in ihre Heimat zurückzukehren. Zum jetzigen Zeitpunkt leben etwa wieder 900 Familien in Teleskuf. Durch die Flucht haben viele Menschen alles verloren und so lebt ca. 80 % der Bevölkerung unter der Armutsgrenze.

Zu einer dieser Familien gehört Tavish Knaninyah mit seiner Frau Asilah und seinen beiden vier bis fünfjährigen Töchtern. Auch sie mussten fliehen und verloren alles. Nun ist ihr Zuhause ein altes Warenhaus, die Wände sind nackt und kalt, die spärlichen Möbel wurden von anderen Bewohnern zur Verfügung gestellt. Die Situation in Teleskuf ist prekär, es gibt wenig Arbeit, Tavish arbeitet zwar in einem winzigen Shop, verdient am Tag aber nur 4 Dollar, viel zu wenig für eine vierköpfige Familie und die teuren Medikamente, geschweige denn für einen Krankenhausaufenthalt für seine sehr kranke Frau.

Die 49-jährige Asilah war hochschwanger und sehr schwach, sie konnte kaum stehen und ihr Blutdruck war viel zu niedrig. Da unser Gründer Kim Hartzner Arzt ist, sah er sofort, wie akut und gefährlich der gesundheitliche Zustand von Asilah war. Eine Schwangerschaft in dem Alter ist ohnehin schon risikoreich, doch ohne medizinische Versorgung, schwebten sowohl Mutter als auch Kind in Lebensgefahr, zumal nicht klar war, ob das Kind noch lebte. Sofort wurde überlegt, wie die Familie so schnell wie möglich ins Krankenhaus kommt. Nadim Ammann vom Erzbistum Köln, der uns an diesem Tag begleitet hat, rief seine Kontakte in Dohouk an, das Taxi wurde bezahlt und den ganzen Tag standen wir im Kontakt mit dem Begleiter der Familie.

Am Abend kam die Nachricht: Das Kind ist ein gesunder Junge und die Mutter den Umständen entsprechend wohlauf! Jetzt, drei Monate später, bekamen wir von unserem Landesdirektor, der vor kurzem in Teleskuf war und die Familie besucht hat die Nachricht, dass Asilah nun viel kräftiger als im November und ihr Sohn Hammad gesund und munter ist!
Es gleicht einem Wunder, dass diese Geschichte so gut ausgehen konnte und dass wir zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort waren, sie zeigt aber auch dramatisch deutlich, wie schwierig die Situation der Rückkehrenden in Teleskuf ist.

Wir konnten in dieser Geschichte akut eingreifen, da wir zufällig vor Ort waren, aber was ist mit den vielen anderen Schicksalen?
Mission East hat im November nicht nur Familie Knaninyah, sondern auch andere Menschen besucht und mit dem Community Council über die Bedarfe der Bewohner*innen der Stadt gesprochen.  
Vor allem der Winter bereitete den Ratsmitgliedern große Sorge, da es gänzlich an den grundlegendsten Gütern fehlte, mit denen die Menschen den Winter überstehen können.
Mit einem akuten Nothilfeprojekt, welches Mission East mit Unterstützung des Erzbistum Kölns realisieren konnte, erhielten viele Bewohner*innen Decken, Heizungen, Benzinkanister, Teppiche und Winterbekleidung, um den Winter zu überstehen.

*Die Namen der Familenmitglieder wurden zu ihrem Schutz geändert.