In den Quarantänezentren Nepals | Mission East Germany

In den Quarantänezentren Nepals

Du hast gerade deinen Job verloren. Du bist wieder in deiner Heimat in der es auch keine Jobs gibt. Du musst in Quarantäne, weil du aus dem Nachbarland kommst. Die Zentren sind überfüllt. Es gibt kein Wasser. Nicht genug zu essen. Du kannst nicht weg, musst hier für vierzehn Tage ausharren. Du kennst die Leute nicht, mit denen du den Raum teilst. Du hast Angst, dich mit Covid-19 zu infizieren. Du hast keine Maske. Du wirst nicht getestet, weißt nicht, ob du dich infiziert hast, ob du das Virus in dein Heimatdorf mitbringst...

Jedes Jahr verlassen hunderttausende Menschen aus Nepal ihre Heimat, um im Ausland, vor allem in Indien, zu arbeiten. Doch die weltweite Pandemie und die anhaltenden Lockdowns haben die Wirtschaft enorm geschwächt und Millionen Arbeitsmigrant*innen verloren ihre Jobs. Viele von ihnen haben daher in den letzten Monaten versucht, nach Nepal zurückzukehren. Anfangs wurde ihnen die Einreise verweigert, bis die nepalesischen Behörden nachgaben und die Grenzen für sie öffneten: Allerdings nur unter strengen Bedingungen: 14 Tage Quarantäne an den Grenzen, bevor sie weiter durch das Land reisen dürfen.

Es wurden 3.700 provisorische Quarantänezentren eingerichtet: Zelte, Höhlen, verlassene Häuser, Schulen... Rund 170.000 zurückgekehrte Nepales*innen werden derzeit in diesen Quarantänezentren festgehalten. Die sind völlig überfüllt, Menschen leben dicht an dicht und ohne Mindestabstände, ohne Masken. Es gibt oft keinen Zugang zu Wasser, Seife, Desinfektionsmittel oder sanitären Anlagen. Es fehlt an Lebensmitteln, Medikamenten und Testmöglichkeiten. Es wurden bereits mehrere Vergewaltigungen gemeldet, viele Menschen haben große Angst vor körperlicher Misshandlung, vor einer Infizierung mit Covid-19 und vor anderen Krankheiten, sagt Country Manager von Mission East in Nepal, Ujjwal Amatya:

„Niemand befolgt die Richtlinien. Alle haben Angst vor einer Infizierung in den Quarantänezentren. Es herrscht totales Chaos. Viele halten es nicht unter den Umständen aus und versuchen vorzeitig aus den Zentren zu fliehen. Menschen, die sich erst in den Quarantänezentren angesteckt haben und die Zentren dann verlassen, nehmen das Virus mit in ihre Dörfer. Damit sind die Quarantänezentren zu Infektionsherden geworden, von denen sich das Virus in Teile des Landes ausbreitet, in denen es zuvor keinen einzigen Corona-Fall gab“

Laut Ujjwal haben die Quarantänezentren bisher weitere 13.000 Infektionsfälle verursacht:

„Die Lage ist prekär, doch wir müssen einen Weg finden, mit diesen Zentren umzugehen. Deswegen unterstützt Mission East Rückkehrer*innen mit Schutzmaterial, Masken, Handschuhen, Seife, Desinfektionsmittel, Thermometer, Reis und zusätzlichen Zelten.“