Ein Monat nach der Explosion | Mission East Germany

Ein Monat nach der Explosion

Ein Monat ist seit der Explosion in Beirut vergangen. Die Lage hat sich mitnichten beruhigt. Unsere Partnerorganisation vor Ort gibt uns einen Einblick, wie unterschiedlich die Katastrophe die Menschen getroffen hat: Es gibt Geschichten von Familien, die drei Tage lang nichts zu essen hatten, die nicht mehr in ihre Wohnung zurückkonnten, von einem Barber, dessen Shop zerstört wurde, von einer Tochter, die verzweifelt versucht Insulin für ihren Vater zu besorgen, von einer alten Frau, die nun allein ist und auf der Straße übernachten muss. Die Liste ist unendlich. Eine Geschichte wollen wir heute mit Ihnen teilen. Es ist die Geschichte eines kleinen Mädchens:

Lela ist in Syrien geboren. Noch als Baby ist sie mit ihrer Familie in den Libanon geflohen, weg von den Bomben, Hauptsache in Sicherheit. Jetzt ist sie fünf Jahre alt. In einer besseren Welt hätte sie am Abend des 04.Augusts mit ihren Geschwistern im Garten spielen sollen. Stattdessen wurde ihr im Krankenhaus von Beirut ein Auge entfernt.
Als unser Team eine Woche nach der Explosion bedürftige Haushalte besucht, springt Lela schon wieder munter durch die Wohnung und spielt mit ihrem Bruder fangen. Ihre Mutter ermahnt sie aufzupassen. Lela setzt sich zu mir auf die Treppenstufe und fragt mich, ob sie mir eine Geschichte erzählen könne. Bei ihrem Enthusiasmus könnte man meinen, es sei eine glückliche Geschichte. Sie beginnt zu erzählen. Wie sie mit ihren Geschwistern im Haus herumlief und spielte, als sie die erste Explosion hörten. Ihre Eltern beeilten sich, ihre Kinder zu sammeln, als die zweite Explosion folgte. Lela erinnert sich, dass das Fenster im Raum gesprengt wurde und ihre Mutter sich über sie warf, um sie vor dem zerberstenden Glas zu schützen. Doch ein Glassplitter flog ihr, kurz bevor ihre Mutter versucht sie zu schützen, ins Auge. Drei Stunden später wurde es entfernt. Lela lächelt und springt schon wieder auf, um weiter zu spielen, als ihr Vater ihre Geschichte bestätigt.
Lela ist nur ein Kind von vielen, die in ihrem Alter bereits mit Dingen fertig werden müssen, die niemand durchmachen sollte. Ihr Lächeln ist tröstlich und ihre Kraft ist ansteckend, aber was wird sie in einigen Jahren fühlen, wenn sie versteht, warum sie nur noch ein Auge hat?
Von S. Daoud (Dorcas/Tabitha)