„Und dann wurde uns klar: Wir sind wieder im Krieg“ | Mission East Germany

„Und dann wurde uns klar: Wir sind wieder im Krieg“

Seit Sonntag, 27. September, fallen wieder Bomben auf Bergkarabach. Zerstören die zarte Hoffnung, dass doch einmal Frieden einkehrt in dieses kleine Gebiet. Wieder einmal verlassen die Menschen ihre Häuser, fliehen zu Verwandten, Bekannten. Vorräte, die übers Jahr für den Winter angelegt wurden, bleiben zurück in Bergkarabach. Genauso die warmen Decken und dicken Pullover. Geld ist knapp, Gehälter werden nicht bezahlt. Sorge um die Angehörigen, die Freunde, die Liebsten, an der Front.
Mission East unterstützt mit Lebensmitteln, Decken und warmer Kleidung.

„Der Morgen des 27. September war wie ein schrecklicher Traum: Wir wurden von einem Lärm geweckt, von dem wir zu hoffen gewagt hatten, ihn nie wieder hören zu müssen:
Explodierende Bomben, Schüsse, Schreie, Kinder, die nach ihren Eltern riefen und durch die Straßen rannten.
Ich war mit der ganzen Familie zu Hause, rief meine 70-jährige Mutter an, die mir erzählte, dass mein Vater bei einem Bombenangriff verletzt wurde. Meine Schwester, die in einem Militärkrankenhaus arbeitet, rief an und erzählte, dass das Krankenhaus von einer Bombe getroffen wurde und sie nun die Patienten evakuieren müssen.
Dann wurde mir klar: Wir sind wieder im Krieg. Wir müssen fliehen.
Jetzt wohnen wir in Eriwan, in der kleinen Wohnung meines Onkels: Fünf Erwachsene und neun Kinder auf 80 m². Es ging alles rasend schnell. Wir konnten nichts mitnehmen, keine Winterkleidung, keine Lebensmittel, nur die nötigsten Papiere und etwas Bargeld.
Jeden Tag warten wir auf Anrufe von unseren Freunden, die an der Front sind. Der Mann meiner Schwester rief seit Tagen nicht an. Alles, was wir uns in den ruhigen Jahren aufgebaut haben, wurde zerstört. Wir wissen nicht, wie wir die nächsten Wochen ohne Geld, ohne Einkommen, mit der ständiger Angst um unsere Liebsten und vor dem Virus überstehen sollen.“

Gohars Stimme zittert, während sie uns ihre Geschichte erzählt. Sie gehört zu den Geflüchteten, die nun in Armeniens Hauptstadt einen Unterschlupf gefunden haben.
Wie Gohar und ihre Kinder haben es bereits viele geschafft in Armenien Schutz zu finden, insbesondere bei Verwandten in Eriwan. Doch die Situation ist prekär. Während die meisten wenigstens ein Dach über dem Kopf gefunden haben, ist der Bedarf an Lebensmitteln, Hygieneausrüstung und warmer Winterkleidung umso dringender. Dazu kommt die Pandemie, die auch in Armenien nicht unter Kontrolle ist. Viele leben mit ihren Verwandten auf engstem Raum und haben keine Möglichkeiten, sich vor dem Virus zu schützen.

Armenien ist das erste Land, in dem Mission East 1992 mit humanitärer Hilfe Menschen in Not unterstützte. Den Menschen in Bergkarabach und den Geflüchteten in Armenien muss dringend geholfen werden. Mission East bereitet seit dem Ausbruch der Kämpfe alles vor, um in enger Zusammenarbeit mit unseren lokalen armenischen Partnern Lebensmittel, Hygieneartikel und Schutzausrüstung gegen COVID-19 für besonders gefährdete Familien in Gebieten, in denen die Bevölkerung nur begrenzte oder keine Unterstützung erhält, bereitzustellen.