Drei Frauen erzählen

Im Irak leben ein Drittel der religiösen Minderheiten in der Ninewa-Ebene: Christen, Jesiden und Shabaks, die während der IS-Besatzung brutal verfolgt wurden. Ihre Lebensgrundlagen wurden ihnen genommen, ihre Höfe und Häuser geplündert. Jetzt befinden sich rund 1,6 Millionen Menschen im Rückkehrprozess, doch die Infrastruktur ist noch immer in weiten Teilen zerstört und es fehlt massiv an Versorgungsgüter. Vor allem die Situation von Frauen ist prekär: Viele Frauen wurden sexuell misshandelt und ausgebeutet, sie wurden systematisch traumatisiert und sie erhalten kaum staatliche und soziale Unterstützung. Von der Gemeinschaft ausgeschlossen befinden sich viele in Abhängigkeitsverhältnissen und haben kaum die Möglichkeit ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Mit dem neuen Projekt setzt sich Mission East für diese Menschen ein und unterstützt sie darin, sich nachhaltige Lebensgrundlagen aufzubauen. Jugendliche erhalten Trainings und Unterstützung für den Ausbau und die Entwicklung von beruflichen Fähigkeiten und Frauen werden in der Textilproduktion (Stickerei, Teppichweberei und Strickwaren) geschult und dabei unterstützt, ihre Produkte auf lokalen und regionalen Märkten mit Hilfe von Gemeinschaftskollektiven zu verkaufen.


Drei Frauen erzählen: 


*Daiba 44 Jahre alt 
„Ich bin Mutter von 4 Kindern, mein Mann ist arbeitslos. Wir haben zurzeit kein festes Einkommen, manchmal kann mein Mann als Tagelöhner arbeiten, dann können wir unsere grundlegenden Bedürfnisse decken, aber oft reicht es nicht zum Leben aus. Ich möchte meiner Familie und meinem Mann helfen. Ich kann gut nähen und als ich hörte, dass Mission East uns durch die Bereitstellung der benötigten Materialien und mit Schulungen unterstützen kann, schöpfte ich neue Hoffnung. Mit neuen Fertigkeiten und Begleitung werde ich in der Lage sein, wieder zu arbeiten und meine Familie mit einem nachhaltigen Einkommen zu unterstützen. Wir sind nicht die einzige Familie, die leidet. Die Mehrheit der Familien in diesem Gebiet ist arm, aber durch das Projekt von Mission East werden wir ein Stück weit unabhängiger. Wir werden uns nicht auf andere verlassen müssen. Mit der Schneiderausbildung können wir selbstständig sein und leben glücklich. Die wirtschaftliche Entwicklung unserer Familien wird zunehmen, und wir werden als Frauen in der Lage sein, an Entscheidungsprozessen teilzunehmen. Außerdem können wir unsere erlernten Fähigkeiten auch anderen Frauen vermitteln, die sich in prekären Positionen befinden.“ 

 

* Wijida 46 Jahre alt
„Ich habe einen Sohn und zwei Töchter. Mein Mann hat eine Behinderung und kann nicht arbeiten. Bevor der IS hier alles zerstörte, arbeitete mein Sohn in einer Fabrik in der Stadt Bashiqa. Mit der Besetzung und dem Terror des IS hat er seinen Job verloren,die Fabrik wurde zerstört. Jetzt verlassen sich alle meine Familienmitglieder auf mich, manchmal arbeite ich als Reinigungskraft für Privathäuser und für Schulen. Diese Arbeit ist für mich sehr hart und mit meinem Rücken kann ich sie nicht mehr lange machen, aber ich habe keine Alternative. Manchmal bekommen wir temporäre Unterstützung, aber wir brauchen ein nachhaltiges Einkommen. Wenn ich durch Mission East eine Weiterbildung machen kann und Weben und Nähen lerne, werde ich das Gelernte an meine Töchter weitergeben. Unter den jetzigen Arbeitsbedingungen kann ich mich kaum um meinen Mann kümmern, da er eine besondere Pflege braucht, doch nach der Schulung bin ich viel flexibler. Auch mein Sohn wird vielleicht einen Job finden, wenn er ebenfalls an den Fortbildungen und Trainings, mit denen Mission East unsere Gemeinde unterstützt, teilnimmt.“ 

*Sohila, 118 Jahre alt 
„Ich bin 18 Jahre alt. Wie man an unserem Haus hinter mir sieht, wurde es im Krieg vollkommen zerstört. Vor dem Konflikt lebten wir hier in Frieden, wir genossen unsere Kindheit und unsere Jugend, aber der Krieg hat alles verändert. Wir haben kein Zuhause mehr und leben jetzt bei unseren Verwandten. Oft denke ich, dass ich hier keine Zukunft habe und einfach nur gehen will, aber eigentlich will ich mein Land nicht verlassen. Die Schulungen und Trainings, die Mission East unserer Gemeinschaft anbietet, geben mir Hoffnung, ein neues Leben zu beginnen und nicht nur mir, sondern allen Jugendlichen in unserer Gemeinde. Ich habe eine Freundin, die bereits an Schulungen teilgenommen hat und jetzt einen Job hat. Ihr Leben hat sich völlig verändert. Die Schulungen sind für uns junge Menschen von großer Bedeutung und ich glaube, dass das Projekt einen großen Einfluss auf uns haben wird und sich unser Leben zum besseren verändern wird: Das Projekt gibt uns einen Sinn, in unserem Land zu bleiben.“

*Die Namen wurden zum Schutz der Personen geändert.