Ein Geflüchteter kehrt zurück | Mission East Germany

Ein Geflüchteter kehrt zurück

Karam floh, als der Islamische Staat (IS) Mossul besetzte. Doch er kehrte zurück: „Ich konnte nicht zusehen, wie meine Stadt zerstört und unschuldige Menschen sterben müssen, während ich selbst in Sicherheit bin.“ 

Als der IS im August 2014 Mossul angriff, packte Karam in Panik das Auto und verließ mit seiner Familie die Stadt. Doch in der Hast fiel eines seiner Kinder aus dem Auto.

Bomben von allen Seiten
Heute spricht Karam über seine Flucht:
„Es war am späten Nachmittag und es wurde bereits dunkel, als ich die Nachricht erhielt, dass der IS Mossul besetzt hatte. Meine Frau Karolin war zu der Zeit mit dem dritten Kind schwanger und uns war klar, wir mussten so schnell wie möglich weg. Wir packten die Kinder und das Nötigste ins Auto und rasten durch die Stadt.“
„Wir hatten es schon fast aus der Stadt geschafft, als wir einen Kontrollpunkt der Islamisten sahen. Sofort machten wir kehrt. Dabei fiel unser Sohn Martin aus dem Auto, weil die Hintertür nicht richtig geschlossen war und brach sich den Arm. In mir drehte sich alles. So schnell wie möglich setzte ich ihn wieder ins Auto und verriegelte die Türen sorgfältig. Noch nie bin ich so schnell und gleichzeitig so vorsichtig gefahren, denn Autos mit hoher Geschwindigkeit sind Angriffsziele, sowohl für den IS als auch für US-Bomber. Meine Frau weinte und betete laut zu Gott."

Ein gebrochener Arm – Glück im Unglück
Karam und seine Familie schafften es durch die Stadt bis zu einem der kurdischen Peschmerga-Checkpoints. Karam konnte ihnen seine Situation erklären, zeigte ihnen den verletzten Jungen, der unbedingt operiert werden musste. Sie hatten Glück und durften weiterfahren.
Im nächsten Krankenhaus wurde der Junge operiert. Martin kann bis heute seinen Arm nicht strecken und bewegen wie vor dem Unfall und es schmerzt Karam, wenn er den Arm sieht. Dennoch, wahrscheinlich war die es Verletzung seines Sohnes, die die Peschmerga überzeugte, die Familie weiterfahren zu lassen, raus aus Mossul.
In Dohuk war die Familie in Sicherheit, aber Karam hatte keinen Job und wusste nicht, wie er seine Familie ernähren sollte. Er dachte oft an Mossul und die Menschen, die dort dem IS ausgeliefert sind. Als er dann von dem Job bei Mission East hörte, wusste er - das ist seine Chance! Mit dem Job konnte er Geld verdienen und gleichzeitig den Menschen in Mossul helfen.

Natürlich muss ich meinen Nachbarn helfen
Karam fing an als Fahrer für Mission East zu arbeiten und fuhr nun täglich trotz der Gefahr durch Mossul und verteilte Nothilfepakete an die einfache Bevölkerung.
„Natürlich muss ich meinen eigenen Leuten helfen", sagt Karam. „Wenn ich sehe, dass bei Mission East Menschen aus Europa und Asien arbeiten und ihre sichere Heimat verlassen, um uns zu helfen, warum sollte ich es dann nicht auch tun? Ich musste einfach wieder nach Mossul gehen und meinen Nachbarn helfen. "