Lachen wurde zu Entsetzen, Liebe zu Angst | Mission East Germany

Lachen wurde zu Entsetzen, Liebe zu Angst

Portrait

Der Krieg in Afghanistan hat ihr die Kindheit genommen. Mit 15 musste sie mit ihrer Familie nach Dänemark fliehen und alles hinter sich lassen. Doch ihr Heimatsland hat Setara Nigar Hassan nicht vergessen. Nach ihrem Studium kehrte sie für ein Praktikum bei den Vereinten Nationen nach Kabul zurück und kämpft seitdem für die Rechte von Mädchen und Frauen, jetzt auch als Vizepräsidentin des neu gewählten Vorstands von Mission East Dänemark.

„Meine Erinnerungen an Kabul waren Staub und Ruinen, sehr wenige Menschen, kein Strom, kein Wasser und lähmende Angst. Spielplätze wurden zu Schlachtfeldern, Schulen wurden als Befestigungsanlagen genutzt, Kinderlieder wurden durch Schüsse im Radio ersetzt. Lachen wurde zu Entsetzen, Liebe zu Angst. Essen gab es kaum, der Anblick von menschlichem Blut und sterbenden Menschen aber war normal“, erzählt Setara Hassan über das Aufwachsen im unruhigen Afghanistan.

Die Familie hatte Glück. Ihr Vater konnte nach Dänemark fliehen, wo er 2004 mit Setara, ihren Geschwistern und ihrer Mutter, die damals Pakistan erreicht hatten, wieder vereint wurde. In Dänemark konnte Setara studieren und ihren Abschluss in "International Business and Politics" machen. Als sich die Gelegenheit für ein Praktikum bei der UN-Agentur UNOPS in Kabul ergab, ergriff sie die Chance. In Dänemark hat sie viel über die Medien über die Situation in ihrem Heimatland erfahren, doch bei ihrer Arbeit mit den Vereinten Nationen, mit NGO´s und in direkten Gesprächen mit den Menschen vor Ort bekam sie einen tieferen Einblick und baute ein Netzwerk afghanischer Frauen auf. „Ich habe gelernt, dass die Probleme in Afghanistan weitaus komplizierter sind, als es oft dargestellt wird. Es gibt Korruption, Armut, Fundamentalismus, ein Mangel an Lebensmitteln, Wasser und Strom und immer wieder bewaffnete Konflikte. Alles spielt zusammen, doch die größte Hoffnung der Menschen ist in erster Linie Frieden “, sagt Setara.

Optimistisch in die Zukunft

Setara blickt optimistisch in die Zukunft, auch wenn der Frieden noch weit entfernt scheint.
„In den letzten 19 Jahren haben wir einen Schritt vorwärts und drei Schritte zurück gemacht. Die Entwicklungen in Afghanistan sind auf und ab gegangen. Aber es gibt Entwicklung “, erklärt sie.
„Es gibt Kinder, die jetzt zur Schule gehen. Es gibt Frauen in der Regierung, im privaten Sektor, im Fernsehen, in Geschäften und in Supermärkten. Es gibt neue Straßen und Gebäude. Es ist ein riesiger Unterschied zu 2003 und gleichzeitig noch lange nicht ausreichend, aber ich sehe die Widerstandsfähigkeit der Bevölkerung und habe Hoffnung.“

Entwicklungsarbeit ist Setaras Leidenschaft. Deshalb ist sie nun im Vorstand von Mission East Dänemark. Mission East ist seit 2001 in Afghanistan aktiv. Die stetige Präsenz vor Ort und die hohe Akzeptanz und das Vertrauen seitens der Bevölkerung haben Mission East zu einem der wenigen Akteure im Nordosten des Landes gemacht, die in der Lage sind, rechtzeitig, effektiv und effizient auf Katastrophenfälle zu reagieren. Hier kann Setara Hassan mit ihrer fachlichen Expertise, ihren persönlichen Erfahrungen und Leidenschaft einen wichtigen Beitrag für die Menschen in Afghanistan und unserer Arbeit leisten:

Frauenrechte

Frauenrechte liegen Setara besonders am Herzen:
„Es ist von enormer Bedeutung, dass die Ansichten und Bedürfnisse von Frauen bei der Arbeit in den Vordergrund rücken und sie in allen Projekten mitgedacht werden. Egal um welches Projekt es geht. Es muss immer die Frage gestellt werden, wie wir es den Frauen in der Region erleichtern können, von diesem Projekt zu profitieren, wie sie sich einbringen können und welchen Handlungsspielraum sie haben. Frauen sind das Rückgrat der Gesellschaft, ohne sie geht es nicht.“

Setara Nigar Hassan ist seit zwei Jahren Leiterin eines Fernsehsenders in Kabul und Aktivistin für Frauenrechte in Afghanistan. Sie lebt auf Amager, einer dänischen Insel bei Kopenhagen und steht kurz vor der Gründung eines sozioökonomischen Unternehmens, das Frauen in Afghanistan Technologien zur Verfügung stellen wird, damit sie ihre Familien ernähren können. Wir sind stolz sie bei Mission East willkommen zu heißen.